Kreuzfahrtschiffe fahren mit Erdgas

Kreuzfahrtschiffe blasen Unmengen an Schadstoffen in die Luft. Seit Ende 2018 fährt die Aida Nova als erster Ozeanriese mit verflüssigtem Erdgas.

Kreuzfahrten boomen wie nie zuvor: Der Branchenverband Clia rechnete bei einer Schätzung im Dezember 2017 für 2018 mit weltweit mehr als 27 Millionen Passagieren. Gut 30 Prozent mehr als noch 2011. Mit der Zahl der Gäste wachsen auch die Kreuzfahrtschiffe: Manche ähneln inzwischen schwimmenden Kleinstädten – mit Restaurants, Theatern, Schwimmbädern, Einkaufspassagen oder Konzerthallen an Bord. Der Platz auf dem Sonnendeck hat jedoch auch Schattenseiten: Kreuzfahrtschiffe stoßen enorme Mengen an Schadstoffen aus, oft ungefiltert. Die meisten fahren auf hoher See mit Marinediesel oder sogar mit Schweröl, bei dessen Verbrennung Schwefelschadstoffe, Stickoxide und Feinstaub anfallen. In die Häfen laufen sie zwar überwiegend mit schwefelarmen Treibstoffen ein – doch auch dort klagen viele Anwohner über dreckige Luft aus Schiffsschornsteinen. Deshalb sollen die Schiffe dringend sauberer werden.

Kreuzfahrtschiff ohne Schweröl oder Diesel

Mit der Aida Nova geht jetzt erstmals ein Kreuzfahrtschiff auf Reisen, das nicht mit Schweröl oder Schiffsdiesel, sondern mit verflüssigtem Erdgas angetrieben wird. Im August 2018 verließ das Schiff der Reederei Aida Cruises die Meyer-Werft in Papenburg. Schlepper zogen den 337 Meter langen Ozeanriesen durch die aufgestaute Ems in die Nordsee. Von da ging es mit eigener Kraft über die Elbe in den Hamburger Hafen. Hier begann im Dezember 2018 die Jungfernreise zu den Kanarischen Inseln.

Von außen sieht man dem Schiff seine Besonderheit nicht an. Doch im Inneren verbergen sich drei riesige, isolierte Spezialtanks mit insgesamt mehr als 3 500 Kubikmetern LNG, also verflüssigtem Erdgas. Sind die drei Tanks komplett gefüllt, kann der Ozeanriese bis zu zwei Wochen mit LNG fahren.

Seefahrt ohne Luftschadstoffe

Die Aida Nova ist die Pionierin unter den Kreuzfahrtschiffen in puncto LNG, doch auch andere Reedereien haben LNG-Schiffe geordert, die nun rund um den Globus gebaut werden. Die neue Technologie reduziert die Emissionen durch Luftschadstoffe deutlich. Denn anders als bei Schiffsdiesel oder dem noch wesentlich schädlicheren Schweröl entstehen beim Verbrennen von Erdgas nahezu kein Ruß und keine Schwefeloxide. Zwar werden wie bei allen fossilen Brennstoffen Kohlendioxid (CO2) und Stickoxide verursacht – allerdings viel weniger als bei Diesel. Trotzdem belastet auch Erdgas als Treibstoff die Umwelt. Zudem kostet die Erdgasverflüssigung viel Energie – zwischen 10 und 25 Prozent des Energiegehalts des eingesetzten Erdgases.

Schwimmendes Kraftwerk

Gleichwohl gilt LNG als wichtiger Schritt, um Schiffsantriebe nachhaltiger zu machen. Und zwar nicht nur während der Fahrt, sondern auch während der Liegezeiten im Hafen: In rund 40 Prozent der Liegezeit laufen die Motoren, um Klimaanlagen, Heizung oder Stromversorgung der Aida-Schiffe mit Energie zu versorgen. In Hamburg hat die Reederei daher bereits seit 2015 ein schwimmendes Flüssiggaskraftwerk im Einsatz, das Kreuzfahrtschiffe mit verflüssigtem Erdgas versorgt. Die Schiffe können dadurch im Hafen ihren Dieselgenerator abstellen. Diese Möglichkeit bieten in Europa insgesamt acht Häfen, in zwei weiteren in Spanien und Italien laufen Vorbereitungen für die Erdgasversorgung von Kreuzfahrtschiffen.

Noch umweltfreundlicher kann es sein, den Bordbetrieb mit Strom von Land sicherzustellen. Aida Cruises plant, bis 2020 alle eigenen Schiffe mit einem Ladestrom-anschluss auszustatten. Wichtig bei der Stromversorgung: Echte Umweltvorteile gibt es nur mit Ökostrom, erzeugt aus erneuerbaren Energien.


Was bedeutet LNG?

Die Abkürzung LNG steht für Liquefied Natural Gas, also verflüssigtes Erdgas. Wer ein wenig im Chemieunterricht aufgepasst hat, müsste jetzt eigentlich ins Zweifeln kommen. Ist ein Stoff nun gasförmig oder flüssig? Das kommt natürlich auf die Umgebung an. Für Erdgas, das hauptsächlich aus Methan besteht, gilt: Es verflüssigt sich bei Temperaturen von weniger als minus 161 bis minus 164 Grad Celsius. Beim Verflüssigen reduziert sich das Volumen des Gases extrem: nämlich auf ein Sechshundertstel des Ausgangsstoffes. Das ermöglicht es, die im Erdgas enthaltene Energie auf relativ kleinem Raum zu speichern. Nicht zu verwechseln ist LNG mit Flüssiggas. Dieses sogenannte LPG (Liquefied Petroleum Gas) ist eine Mischung aus Propan und Butan. Es wird hauptsächlich bei der Herstellung von Mineralöl gewonnen.